Walk alone
Kleine Geschichte am Rande des Wahnsinn

42 Innerliche LeereAlle Poren ausgeleert, den Schmutz entfernt, alte Dreckkrusten zerkratzt, sie bluten ja doch nicht mehr. Jetzt bin ich frei, schrecklich frei, ich explodiere unendlich in eure Leere, ich implodiere in mich selbst. Was ich während dieser doppeltuneingeschränkten Ausdehnung jedoch feststellen kann: ich empfinde Freude dabei, wie jede einzelne meiner Zellen zum Zerreißen gespannt ist, weil gerade dieser Spannungszustand in meinem bisherigen Leben fehlte. So ist die Leere in mir keine negative Inhaltslosigkeit, Sinnfreiheit, wie sie von so vielen Menschen beschrieben und beklagt wird, sondern nur die logische Konsequenz, der nötige Gegenpol zur äußeren Freiheit, damit aus der Harmonie der beiden Seiten eben eine Differenz - besagte Spannung - hervorgehen kann.



6.8.06 21:59


Die zweite Geschichte

Als ich dir das Messer in den Leib rammte, sahst du mich nicht einmal an, du hattest die Augen geschlossen und hätte ich nicht fünf Jahre neben dir gelegen und hätte ich nicht deinen Atem gekannt, so hätte ich dir auch geglaubt, dass du schliefst, so jedoch wusste ich, dass du mir nur deinen Blick ersparen willst, deinen sterbenden Blick, und ich war dir unendlich dankbar dafür, denn noch Jahre später erinnere ich mich an diesen Moment als sei es erst gestern passiert und ich weiß, ich hätte mich damals verraten, denn deinen Blick vergisst man nicht so leicht.
7.8.06 20:44


Die dritte Geschichte

Die Musik war so laut und wir standen uns gegenüber, schrien uns an als würden wir uns hassen, aber in ihren Augen sah ich nichts, ich konnte durch ihre Pupillen in eine Welt schauen, die nicht ihre war, aber auch nicht meine, und es war, als hätte ich ihr ein Loch in die Seele gerissen, durch das nun Gift in die Zellen strömen konnte, aber meine Kraft reichte nicht aus um die Öffnung zu schließen und so standen wir da und schrien uns an, die lauten Stimmen verschwanden im Gewühl der Musik, es gab keine Zärtlichkeit mehr in unseren Worten und irgendwann sagten wir nichts mehr, sahen durch uns hindurch, wünschten uns fort und bereuten alles, obwohl wir wieder in einem Bett schlafen würden, betrunken, von der Reizüberflutung niedergestreckt, blutend wie ein wildes Tier, die Gesichter gerötet von der wallenden Hitze, von den sich schüttelnden Körpern um uns herum, und wir waren wie Steine in der Brandung, ewig, starrten uns an bis ich begriff, dass es niemals mehr ein Wir geben würde, dass jetzt alles verloren war, dass ihr zerlumptes Ego alles zerstört hatte, und ich sah, wie ihre Tränen auf den Boden tropften, senkte den Blick um zu beobachten, wie sie sich vermischten mit dem Alkohol und dem Schmutz, der den Boden bedeckte, und als ich wieder aufsah, war sie verschwunden und für einen Augenblick glaubte ich, ich hätte mir unsere Begegnung nur eingebildet, bis ich die beiden leeren Gläser sah, die bis zum Filter gerauchten Zigaretten mit einem Hauch Lippenstift, aber sie war weg, für immer fort, nur darum ging es
7.8.06 20:52


4.....

Am TelefonMeine Hände zittern ganz leicht, aber es ist keiner da, der es bemerken könnte. Ich nehme den Telefonhörer ab, entwirre langsam und penibel die Schnur, streiche die Falten in meiner Hose glatt und wähle eine Nummer. Ich habe kein besonders gutes Gedächtnis, meine Bewegungen sind zäh, unsicher, schwer. Sie hebt ab und sie weiß gleich, dass ich es bin, ich merke, wie ihr Lächeln erstirbt.
"Was willst du?" Sie beginnt unseren Dialog.
"Treffen. Dich. Morgen?"
"..."
"Ich weiß", beginne ich nach einem unterdrückten Seufzer, "dass du keine Zeit für mich hast. Ich verstehe, dass du dich nach unserer gemeinsamen Zeit von mir absetzen möchtest, aber ich bin morgen ohnehin in M. und da dachte ich, dass ich dir deine Sachen vorbeibringen könnte."
"Bring sie ins Café, ich hole sie dort ab."
"Du kennst mich. Ich werde dort auf dich warten." Verzweifelt füge ich hinzu: "Du bekommst deinen Krempel nicht, ohne dass du mich siehst und mit mir ein paar Worte wechselst."
"Wir wechseln gerade schon genug Worte für die nächsten Jahre."
Ich verstehe ihren Ärger, man hat ihr so viel über mich erzählt, dass ich mich vor mir selbst ekele, dass ich nicht mehr in den Spiegel schauen kann und mich frage, wie ich ihr das antun konnte, mit ihr zu schlafen. Ich sehe ihr bitteres Lächeln, ihre angespannte Mimik, die sich nur selten lockerte, auch jetzt noch vor mir, besonders in den Nächten, in denen ich vor lauter Selbstvorwürfen nicht schlafen kann. Ich möchte ihr sagen, gib mir noch eine Chance, fast würde mir dann "Liebes" über die Lippen gleiten, weil es in den letzten Wochen selbstverständlich geworden ist.
Wenn wir morgens im Bett lagen und die Wolken durch die geschlossenen Gaze-Vorhänge noch immer betrachten konnten, dann schmiegte sie sich oft an meinen Arm, küsste mich auf die Schulter und sagte mir, indem sie sich noch ein Stück näher schob, dass ich sie nie belügen dürfe, nie. Schon damals wusste ich, dass es kein gutes Ende nehmen konnte, aber ich war zu sehr in meinem Egoismus gefangen, in meiner Freude, dass ein Mädchen wie sie an einem Mann wie mir Gefallen finden konnte.
"Du musst mir keine Chance geben", murmle ich stattdessen. "Ich möchte dich nur noch einmal.. sehen."
"Mach dich nicht lächerlich, E., du hast mich oft genug gefickt und alles von mir gesehen, alles."
In solchen Momente, so gut kenne ich sie schon, neigt sie oft zu Kraftausdrücken, obwohl sie sich damit selbst verletzt, weil sie es nicht erträgt, wenn man sich einer so vulgären Sprache bedient. Fast unterliege ich der Versuchung, sie in die Ecke zu drängen, sie festzunageln und ihr genüsslich das Wort "ficken" in einzelnen, gigantischen Buchstaben an den Kopf zu werfen. Ich lasse es bleiben.
"Im Gegensatz zu mir bist du immer noch von dem egozentrischen Gedanken beseelt, dass ich dir Unrecht getan habe, dabei merkst du nur leider nicht, dass sich der Spieß längst umgedreht hat, dass du in meinen Wunden bohrst und nicht ich in deinen, dass du mit Steinen wirfst, obwohl du nur zu gut weißt, dass du in einem Glashaus sitzt."
"Spiel dich nicht auf. Du hast nichts verstanden."
"Mag sein, dass ich in deinen Augen nur der Bösewicht bin, dass mein Leben vor allem von sexuellen Motiven bestimmt wird, aber dann erlaube ich mir dir zu sagen, dass du dich irrst, dass du noch viel lernen musst. Irgendwann wirst du einsehen, dass die Welt nicht schwarzweiß ist und du schon gar nicht immer in der weißen Hälfte wohnst."
"Siehst du, du hörst nicht auf mit deinen ekligen Selbstverherrlichungen, die ohnehin nur deswegen für wenige Momente zum tragen kommen, weil du ein paar Jahre mehr mit dir herumträgst -"
"Still."
Ich schaue wehmütig auf die Wählscheibe, auf der manche Ziffern mehr und manche weniger von Staub bedeckt sind. Sie hat sich verändert, das weiß ich jetzt. Ich habe ihr ein Krebsgeschwür eingepflanzt oder sie tat es selbst, aber was macht das schon, sie konnte und wollte es nicht entfernen, sich auch nicht dabei helfen lassen. Jetzt sitzt sie in ihrem Blut und hat Angst vor dem Tumor, der sich in ihr ausbreitet.
Ein letztes Blinzeln, dann lege ich auf.
10.8.06 21:38


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